Wir brauchen europäische Streitkräfte

Europa oder Erpressbarkeit.

Dazwischen liegt nichts mehr.

Als Franziska Brantner, Bundesvorsitzende der Grünen, sagte: „Wir brauchen europäische Streitkräfte „ ist das kein dahingeworfener Satz. Das ist ein Bruch mit einer jahrzehntelangen bequemen Illusion. Mit der Illusion, man könne sich in Europa ewig hinter der Geschichte verstecken, hinter den Amerikanern, hinter Verträgen, hinter dem eigenen guten Gewissen. Es ist mutig, das so klar zu sagen, gerade in einem progressiven Umfeld, das sich viel zulange eingeredet hat, Frieden sei vor allem eine Frage der richtigen Haltung. Als würde Moral Panzer stoppen. Als würde Hoffnung Drohnen abschrecken. Als würde man sich aus der Weltpolitik einfach raushalten können.

Ich finde diese Klarheit nicht nur klug. Ich finde sie überfällig!!!

Ich habe vor über 10 Jahren genau darüber mit Kameraden gesprochen. In Räumen, in denen man den Laden von innen kennt. In denen man weiß, wie die Bundeswehr wirklich funktioniert. Wie abhängig. Wie fragmentiert. Wie politisch gelähmt. Und vor allem: wie absurd die Vorstellung ist, Deutschland könne im Ernstfall alleine irgendeine relevante militärische Rolle spielen, geschweige denn sich gegen Weltmächte behaupten.

Ein einzelner europäischer Staat ist militärisch keine strategische Größe mehr. Europa gemeinsam wäre es. Eine europäische Armee ist keine Aufrüstungsideologie, sie ist der Versuch, aus 27 sicherheitspolitisch zerfledderten Einzelinteressen eine Struktur zu bauen, die handlungsfähig ist. Gemeinsam ausgebildet, gemeinsam ausgerüstet, gemeinsam geführt, gemeinsam politisch kontrolliert. Nicht als Spielzeug nationaler Egos, sondern als europäische Versicherung gegen eine Welt, die längst wieder nach Machtlogiken funktioniert. Denn wir leben nicht mehr in einer Welt, in der die größte Gefahr falsche Worte sind. Wir leben in einer Welt, in der Abhängigkeiten Waffen sind. Energie ist eine Waffe. Lieferketten sind Waffen. Migration wird als Waffe benutzt. Desinformation sowieso. Und militärische Schwäche ist keine Tugend, sondern eine Einladung. Wer militärisch nicht ernst genommen wird, wird politisch nicht ernst genommen. Und wer politisch nicht ernst genommen wird, verliert zuerst Einfluss, dann Verhandlungsmacht, dann Selbstbestimmung.

Und irgendwann verteidigt er nicht mehr seine Werte, sondern nur noch seine Schäden.

Europa steht an einem Punkt, an dem es sich entscheiden muss, ob es ein Markt bleiben will oder endlich ein politischer Akteur wird. Märkte haben keine Verteidigung. Akteure schon. Und nein, eine europäische Armee macht Europa nicht automatisch besser, aber keine zu haben, macht Europa garantiert schwächer und abhängiger und zum Spielball zwischen USA, China; Russland und den nächsten autoritären Projekten die gerade heranwachsen. Genau deshalb ist diese Forderung richtig. Nicht weil wir Krieg wollen, sondern weil wir uns nicht länger leisten können, so zu tun, als käme er uns nie wieder nahe.

Text stammt von Christina Christiansen aus Nordfriesland. Gelernte Rettungsassistentin, 38 Jahre, Mutter von 4 Kindern und Hauptfeldwebel in der Rente ( 19 Jahre Bundeswehr )

Freigabe eingeholt durch Christian Wolf